Börse und Emotionen

Das Geld, das auf der Straße liegt, ist ziemlich dünn gesät.

Erich Kästner (1899 – 1974) deutscher Schriftsteller

Eine der vielleicht wichtigsten Ursachen, weshalb viele Anleger*innen nur ungenügenden Erfolg an der Börse haben, liegt in der menschlichen Psyche begründet. Menschen sind nicht rein „nutzenmaximierende“ Wirtschaftssubjekte, sondern werden in vielfältiger Hinsicht von ihren Emotionen beeinflusst. Es gilt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als gesichert, dass eine ganze Reihe irrationaler, größtenteils unbewusster Verhaltensweisen immer wieder zu Fehlentscheidungen führen. 

Menschen neigen bspw. dazu, negativen Informationen mehr Beachtung beizumessen als positiven Informationen. Das ist evolutionsbiologisch nachvollziehbar. Zieht man als Eltern seine Kinder groß, dann konzentriert man sich schnell auf alle möglichen Gefahren, vor denen man die Kleinen beschützen will (negativity bias). Diese Neigung ist bei Geldanlagen an den internationalen Aktienmärkten hinderlich, da unser Fokus ebenfalls auf die negativen Entwicklungen gerichtet ist. Positive Informationen werden kaum oder aber als selbstverständlich wahrgenommen. Deshalb werden Gewinne und Verluste identischer Größenordnungen unterschiedlich bewertet, Verluste werden gefühlsmäßig als wesentlich gravierender eingestuft als Gewinne in gleicher Höhe. Das führt dann dazu, dass zum einen Investitionen erst gar nicht getätigt werden. Zum anderen werden einmal getroffene Entscheidungen in Bezug auf den „richtigen“ Kurs eines Wertpapiers unangemessen gering an neue Informationen angepasst, wenn diese neuen Informationen gegen die Richtigkeit der ersten Einschätzungen sprechen. Verlustbringer werden also nicht verkauft, da eine Verlustrealisierung als „Niederlage“ empfunden wird. Man verfolgt statt einer sinnvollen „buy and hold“-Strategie tatsächlich eine „buy and hope“-Strategie!

Betrachtet man die internationalen Aktienmärkte hingegen objektiv und rational (soweit das eben möglich ist), dann ist zu erkennen, dass diese mittel- und langfristig steigen (das wäre eine positive Information), während in aller Regel nur kurzfristig Kurschabschwünge (negative Information) zu verzeichnen sind. Und doch konzentrieren sich Menschen auf diese Rückschläge!

Die Gefahr von irrationalen Fehleinschätzungen und -entscheidungen kann nicht gebannt werden, jede(r) Anleger*in sollte sich dieser jedoch bewusst sein. Und man kann ihr begegnen, durch ein gut strukturiertes, global diversifiziertes Portfolio – und eventuell mit Hilfe eines Beraters.

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